
Typgerechte Ernährung
Es gibt nicht eine richtige Ernährung für alle; denn jeder Mensch ist anders, besitzt individuelle Vorlieben und Abneigungen, reagiert mit seinem Stoffwechsel in einer bestimmten Weise auf die Nahrungsaufnahme. Sogar bei ein und derselben Person kann sich bedingt durch die Lebenssituation und den Gesundheitszustand im Lauf der Zeit der Stoffwechsel verändern. Auch ältere Menschen reagieren anders als junge. Typgerechte Ernährung sollte nicht starr nach einem Schema praktiziert, sondern an die Situation angepasst werden.
Viele Ernährungsbücher mit ebenso vielen unterschiedlichen Ernährungsempfehlungen kann man lesen. Hunderte von unterschiedlichen Diäten werden angepriesen. Lassen Sie sich nicht verwirren! Häufig wird dabei eine einseitige Ernährung empfohlen, die für alle Menschen gültig sein soll oder es werden neue typengerechte Ernährungsweisen angepriesen, die weder ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen noch jahrtausende alten typgerechten Ernährungsweisen entsprechen. Viele solcher neuen Diäten, wie z. B. die Atkins-Diät, erweisen sich im Nachhinein als schädlich.
Was wirklich gut für Sie ist und was nicht, können Sie nur selbst durch einige Erfahrung und Selbstbeobachtung herausfinden. Paracelsus sagt: „Der Patient ist Arzt, der Arzt sein Gehilfe.“ Dafür ist es wichtig, bewusst wahrzunehmen und nachzufühlen und sich nicht von oberflächlichen Effekten täuschen zu lassen.
Ernährungsgewohnheiten, die man aus Büchern oder von anderen Leuten erwirbt, sind hilfreich, solange man die Effekte der jeweiligen Nahrungsmittel auf Körper und Geist (noch) nicht genau kennt. Wenn einmal diese Wahrnehmung (wieder) erwacht ist, sollte man sich von den eigenen Erfahrungen leiten lassen.
Oft muss sich der Stoffwechsel erst an eine neue Situation gewöhnen, um dann in ein stabileres und besseres Gleichgewicht zu kommen. Wenn Sie Ihre Ernährung schrittweise umstellen und sich Ihre Gesundheit dadurch verbessert, können Sie schrittweise auch besser fühlen, was Ihnen wirklich gut tut. Früher oder später kommen Sie an einen Punkt, wo Sie beginnen, die Effekte der Nahrung zu verspüren. Von da an sollten Sie die Intelligenz Ihres Körpers zum alleinigen Richter über die Qualität Ihrer Ernährung machen.
Des einen Medizin ist des anderen Gift. Was dem Schmied gut tut, daran geht der Schneider zugrunde. Darum ist es wichtig, seine eigene Konstitution kennen zu lernen. Wenn man Menschen bewusst anschaut, wird deutlich, dass nicht nur jeder anders aussieht, sondern dass es bestimmte Grundtypen im Körperbau gibt. Professor Kretschmer und andere Wissenschaftler haben dies in umfangreichen Forschungen untersucht und drei Grundtypen des Körperbaus herausgearbeitet:
Der leptosome Typ: Menschen, die zu diesem Typ gehören, haben einen schmalen Körperbau und sind häufig recht groß, sie wirken leicht, grazil, mitunter hager.
Der athletische Typ: Dieser hat einen mittleren Körperbau, ist von Natur aus mit viel Muskulatur ausgestattet und baut schnell Muskelmasse auf.
Der pyknische Typ: Er lässt sich am besten mit den Stichworten „gedrungen und klein“ kennzeichnen. Eine gewisse Neigung, übergewichtig zu werden, gehört zu diesem Körperbautyp dazu.
Viele Menschen sind natürlich Mischtypen, aber auch die Reintypen lassen sich häufig beobachten. Prof. Kretschmer hat seine Forschungen ursprünglich begonnen, um herauszufinden, ob der Körperbau auf bestimmte Krankheitsneigungen (insbesondere im psychiatrischen Sinne) schließen lässt. Dabei zeigte sich, dass es auch in den Stoffwechselfunktionen Unterschiede zwischen den Typen gibt.
Die moderne Medizin versucht in der Forschung, das Individuum auszuschließen. Ein Medikament soll unabhängig von der Person wirken. Dies soll mit dem Doppel-Blind-Test, bei dem weder der Patient noch der Arzt weiß, ob ein Medikament oder eine Zuckertablette gegeben worden ist, bewiesen werden. Tatsache ist aber, dass es immer nur statistische Wahrscheinlichkeiten gibt. Viel zu selten wird gefragt, warum ein Mittel nicht wirkt. Es wird dann einfach ein anderes verschrieben.
In vielen naturheilkundlichen Therapieverfahren wird hingegen der Einzelne in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt. Es wird nicht nur untersucht, welche Erkrankung vorliegt, sondern auch wer erkrankt ist. Auch in traditionellen Medizinsystemen wie der chinesischen Medizin (TCM) oder dem indischen Ayurveda geht man davon aus, dass die Konstitution eines Menschen bei der Behandlung berücksichtigt werden sollte. Gleiches trifft auch auf die Empfehlungen für die Ernährung und den Lebensstil zu.
Interessanterweise kommt der Ayurveda auch auf drei Grundtypen der Konstitution, wobei diese von der Funktionsweise des Stoffwechsels abgeleitet werden. Dabei gibt es folgende Entsprechungen:
Vata (Luft, Raum) Prinzip der Bewegung und des Energieverbrauchs
Pitta (Feuer) Prinzip der schnellen Transformation
Kapha (Erde, Wasser) Prinzip der Stabilität und des Aufbaus
Annähernd lässt sich eine Übereinstimmung zwischen der alten und der modernen Konstitutionslehre feststellen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Blickwinkel unter-schiedlich sind, einmal wird der äußerlich sichtbare Körperbau, einmal die Funktionsweise des Stoffwechsels angeschaut. Gerade bei Mischtypen können sich daher anscheinend widersprüchliche Kombinationen ergeben.
Vata leptosomer Körperbau
Pitta athletischer Körperbau
Kapha pyknischer Körperbau
Zur ersten Orientierung erhalten Sie einige Hinweise zur Ernährung in bezug auf die Grundtypen.