Verband für ganzheitliche Gesundheitsberatung e.V.



Lebenssinn

Ohne Lebenssinn gibt das Leben keinen Sinn
Das Leben als Fließen zu begreifen, Offenheit zu entwickeln und Loslassen zu kultivieren hilft, die Erstarrungskrankheiten aufzulösen. Irgendwann regt sich jedoch in der Tiefe die Frage nach dem Ziel des Flusses. Die Frage nach dem Ziel ist eine Grundfrage des Lebens, die sich in unterschiedlichen Phasen immer wieder neu stellt. Das ist vielleicht das wichtigste an dem Thema „Lebenssinn“, dass die Fragen überhaupt gestellt werden. Denn durch Fragen wird die Erstarrung aufgeweicht, durch Fragen beginnt eine neue Bewegung, durch Fragen entsteht Aufmerksamkeit – und nur durch Fragen werden Antworten gefunden.
Es sind gerade die labilen Übergangsphasen wie die Pubertät, die Familiengründung, die Midlife-Crisis, der Beginn des Ruhestands und die Zeit vor dem Tod, in denen Menschen vertieft auf die Sinnfragen eingehen, ja sogar eingehen müssen, wenn sie nicht in der Sackgasse der Erstarrung landen wollen. Ist der Widerstand gegen diesen Prozess sehr stark, kann sich der Lebensstrom eruptiv Bahn verschaffen, es kommt zu dramatischen Umbrüchen und Neuausrichtungen. Manche steigen aus, manche wechseln den Beruf, bei manchen kommt es zur Scheidung, manche erleben tiefgehende Sinnkrisen und depres-sive Verstimmungen usw.

In Kontakt mit sich selbst bleiben
Die Neuausrichtung des Lebensschiffes kann sehr sanft geschehen, wenn der Kontakt mit dem Inneren erhalten bleibt und frühzeitig ein Gespür dafür entwickelt wird, was die nächsten Schritte in unserem Entwicklungsprozess sind. Vor allen Dingen ist es wichtig, dass die inneren Fragen ernst genommen werden. Unsere gegenwärtige Zeit unterstützt eine solche Einstellung nicht. Der Zusammenbruch der alten Wertvorstellungen hat ein noch nicht gefülltes Vakuum hinterlassen. Das Leben wird insgesamt von wirtschaftlichen Fragestellungen dominiert, die Sinnfragen als Luxus erscheinen lassen.

Einem gestressten Manager, der stark herzinfarktgefährdet war, wurde von seinem klugen Psychotherapeuten gesagt: „Reichtum ist, wenn es reicht.“ Das Streben nach mehr kann von der Persönlichkeitsmitte wegführen, wenn es nur als ein äußeres Streben begriffen wird. „Mehr“ ist vollkommen in Ordnung, wenn es auch ein Mehr an Verständnis, Liebe, Offenherzigkeit und Mitgefühl ist. Seelische und körperliche Gesundheit ist nicht nur eine Frage der eigenen Person, sondern des Verhältnisses zu anderen. Der Mensch ist ein soziales Wesen, dass sich eigentlich nur im Kontext definieren kann. Erfüllung findet sich im sinnvollen Tun für andere.
Ihre persönliche Sinnfrage können Sie sich nur selbst in ihrem eigenen Leben beantworten. Religionen und Philosophien können dabei helfen; sie bieten Erklärungsmodelle an, doch entscheidend ist, was Sie davon leben und umsetzen. Wir möchten Sie anregen, sich vertieft mit Ihrem Lebensweg auseinander zu setzen. Das ist eine fundamentale Grundlage für die Gesundheit. Bei der Ausgestaltung Ihres individuellen Weges können und wollen wir Ihnen aber keine vorgefertigten Antworten geben.
Spätestens durch die Erkenntnisse der Psychoneuroimmunologie ist bewiesen, dass das seelische Befinden einen herausragenden Einfluss auf Ausbruch und Verlauf einer Krankheit hat. Die körpereigene Abwehr ist kein isoliertes System, sondern hängt in entscheidendem Maße vom vegetativen Befinden und von der Psyche ab. Wer Gutes zu denken, zu fühlen und zu tun versucht, wird Sinn und Zufriedenheit im Leben finden und selbst schwerwiegende Krankheiten überstehen können. Eine schwere Krankheit kann in diesem Sinne zu einem Segen werden, wenn wir diese Gelegenheit wahrnehmen, unser Leben durch eine veränderte innere Einstellung zu wandeln.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sich gegenüber einem gesundheitlichen Problem zu verhalten:

• Krankheit als Wegweiser, der wieder zurück zur Harmonie und Erfüllung
  führt.
• Krankheit als sinnloses Leiden, das von einem blindem Schicksal
  aufgezwungen wird.

Wer die tieferen Ursachen der Krankheit, die im Charakter mit vielleicht krankmachenden Verhaltensmustern und mit negativen Wünschen und Emotionen verborgen sind, erkennt, tut einen ersten wesentlichen Schritt aus der Krankheit. Manche Menschen erkranken gerade deshalb, weil sie ihr Inneres verleugnen, andere, weil sie einen falschen Weg eingeschlagen haben, wieder andere, weil sie sich von Traumata und tiefen seelischen Projektionen nicht lösen konnten.

Die Kraft des inneren Dialogs
In der Komplexität des Lebens mit seinen zahllosen Wegen und Irrwegen ist es nicht möglich, den richtigen Weg vorauszusehen. Man kann aber in jedem Augenblick neu nachspüren, was wirklich richtig ist. Die Stimme der Intuition wird oft durch andere laute Stimmen übertönt.
Aus Sicht der Gesunderhaltung kommt es darauf an, den inneren Bezug zu finden, den Dialog mit sich selbst lebendig zu halten. Man kann diese innere Instanz das Selbst nennen, wie es die Tiefenpsychologie tut. Man kann auch vom Schutzengel, von einer göttlichen Kraft im Inneren sprechen oder sonst eine Bezeichnung wählen. Das ist alles nicht entscheidend. Aus tiefenpsychologischer Sicht sind die Tiefen des Unbewussten nicht einfach ein Müllabladeplatz für Unverarbeitetes, sondern Quelle von Kreativität und der Motor der Ganzwerdung. Man kann den Prozess des inneren Dialogs auch Beten nennen, wobei viele Menschen falsche Vorstellungen damit verbinden. Oft wird gemeint, Beten heißt, Gott um etwas bitten. Das ist eine sehr begrenzte Vorstellung von sehr vielfältigen inneren Vorgängen, die für die seelische Gesundheit bedeutsam sind. Das lateinische Wort religio bedeutet „Rückbindung“. Diese Rückbindung und der Dialog mit einem höchsten Du, das in allem weilt und alle Wesen verbindet, kann Trost, Kraft und Geborgenheit schenken.
Inzwischen liegen Ergebnisse verschiedener Doppelblind-Studien vor, die die Kraft des Gebets wissenschaftlich beweisen und dokumentieren. Menschen, die beten und für die gebetet wird und die eine lebendige, echte (nicht fanatische) Beziehung zu Gott haben, können Schicksalsschläge besser verarbeiten, leben gesünder und länger und haben im Krankheitsfall deutlich bessere Genesungsaussichten.
Die renommierte Harvard Medical School ist nun dazu übergegangen, Kurse über Religiosität und Medizin anzubieten. Die künftigen Ärzte sollen lernen, die religiöse Haltung des Patienten sowie die eigene Spiritualität in den Heilungsprozess mit einzubeziehen. Laut Aussage amerikanischer Mediziner könne man den Patienten viele Komplikationen und belastende Behandlungen ersparen, würde man das Zusammenspiel von Körper und Geist besser verstehen und nutzen. Bei dieser Aussage stützen sie sich auf eine Liste von 212 Studien, die den Einfluss religiöser Faktoren auf die Gesundheit zum Thema hatten. 197 dieser Studien bescheinigen dem Glauben eine sehr günstige Wirkung auf den Krankheitsverlauf und auf die Lebenserwartung insgesamt.
Der Harvard-Mediziner Herben Benson konnte zeigen, dass bestimmte Gebets- oder Meditationsformen (Ave Maria, Mantra Meditation) Depressionen und Ängste reduzieren. Die Atemfrequenz wird gesenkt und harmonisiert. Der Blutdruck sinkt, und die entspannenden Gehirnwellen nehmen zu. Als Folge werden weniger Stresshormone freigesetzt, die das Kreislauf- und das Immunsystem schädigen und schwächen. Benson weist aber darauf hin, dass verklemmte, einengende oder fanatische Frömmigkeit eher negativ wirken kann. Hilfreich seien nur der gelebte Glaube, das praktizierte Gebet und der Zusammenhalt in der Gemeinde.
Die wunderbarste Linderung der eigenen Sorgen und Nöte erfahren häufig Menschen, die sich um andere, die in noch größerer Not sind, kümmern und sie in die eigenen Gebete einschließen; denn die Liebe heilt – uns selbst und andere.
Eine schwere, ja selbst eine zum Tode führende Krankheit kann zu einem Segen werden, wenn sie als Möglichkeit wahrgenommen wird, das Leben grundlegend zu verändern. Daraus kann Heilung entstehen. Oder ein Mensch geht mit gewandeltem, geläutertem Bewusstsein auf den Tod zu, der dann nicht mehr Furcht erzeugt, sondern Ausdruck eines sich schließenden Lebenskreises ist – oder sogar von der Freude erfüllt ist, durch den Tod in ein neues Leben einzutreten.
In einem alten Weisheitstext wird gefragt, was das größte Wunder sei. Die Antwort: „In jedem Augenblick entstehen und vergehen in diesem Universum unzählige Lebewesen. Und obwohl das so ist, tun wir so, als würden wir ewig leben und nisten uns in festen Strukturen ein.“ Wenn die Vergänglichkeit nicht mehr als Ausdruck der Bedrohung erlebt wird, sondern erahnt wird, wie der Lebensstrom darin wirkt, wie sich der Kreislauf der Generationenfolgen darin ausdrückt, entsteht eine andere Einstellung. Vieles, was so bedeutsam erscheint, verliert an Wichtigkeit. Das Loslassen fällt leichter und ein Erlebnis der Eingebundenheit in das Ganze entwickelt sich.